Dezember 16, 2009

Es war eine harmlose kleine Frage. Aber wie das mit Fragen manchmal so ist, führte sie zu weiteren Fragen und brachte am Schluss fast das Haus zum Einsturz, das Haus der mentalen Stabilität meiner Schwester.

Was sich mein Neffe denn so zur Weihnacht wünsche, wollte ich wissen. Ihre Antwort war ein Stossseufzer der Stärke neun auf der Richterskala.

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Dezember 15, 2009

Zu den Pflichten einer Schwangeren gehört der Geburtsvorbereitungskurs, bei dem in der Schwangeren-Runde die Geheimnisse der Wehen-Beatmung gelüftet werden. So stelle ich es mir jedenfalls vor, denn ich habe nie einen besucht. Er fehlte mir auch nie. Was mir als Vorbereitung auf die Mutterschaft aber schmerzlich fehlte, war ein Kinder- Erste-Hilfe-Kurs.

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Dezember 10, 2009

Manche Leute behaupten, Kinderkriegen mache konservativ. Das mag sein oder auch nicht. In meinem Fall bewirkte das Familiendasein eher die Befürchtung, dass ich in gewissen Hinsichten nicht konservativ genug auftrete. Etwa wenn es um Fragen der Kleidung geht – beziehungsweise das gelegentliche Fehlen selbiger, wenn ich mich in der Wohung bewege.

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Dezember 08, 2009

Ich liebte Maurice Sendaks «Wo die wilden Kerle wohnen». Ich liebte es, wie der Held Max zu Hause herumtobt. Ich liebte, wie er stolz auf seinem Segelschiff in unbekannte Lande schippert und liebte, wie er die wilden Kerle niederstarrt. Jetzt erkenne ich darin meine eigenen Kinder wieder.

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Dezember 04, 2009

Ich mag es, wenn der Mann und die Tochter zusammen in die Stadt gehen, um Schuhe zu kaufen. Denn wohl habe ich selber eine Affinität für Schuhe, trotzdem bin ich nicht immer scharf auf Shopping. So war ich froh, als die beiden jüngst verkündeten, sie würden sich nach ein paar Winterstiefeln umsehen gehen. Noch froher war meine Tochter, als sie stolz ihre Beute in die Wohnung schleppte: hübsche, schwarze Lederstiefel. Hinterher schleppte sich mein Mann: auf dem Zahnfleisch. Erschöpft, als hätte er soeben einen neuen Speedrekord an der Eigernordwand erzielt, liess er sich auf einen Stuhl fallen und stiess klagende Laute aus. «Verdammtes Kinderschuhkartell», keuchte er. Ich musste mich auf ihn setzen und reanimierende Massnahmen ergreifen, um zu erfahren, was geschehen war.

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Dezember 01, 2009

 

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Michèle Binswanger am Dienstag den 1. Dezember 2009

Rezepte gegen Geschwisterzoff

 

Die Nachbarsbuben in unserem Haus sind grossartige Jungs. Aber manchmal geben sie es sich ganz schön. Zum Beispiel jüngst der Fall mit der Socke, die zum Stein des Anstosses wurde. Auf selbige beliebte es nämlich dem älteren Jungen, seinen Hintern zu platzieren. Das empfand der Jüngere als groben Affront und verlangte eine umgehende Entfernung des Hinterteils von der Socke, was wiederum für den älteren eine Zumutung schien.

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