Januar 25, 2010

Als junge Mutter war ich fasziniert von der Vorstellung, wie sich vom Moment an, da Same und Eizelle zu einem Zellhaufen verschmelzen, mit unabänderlicher Konsequenz ein menschliches Bewusstsein entwickelt. Plötzlich ist es da, taucht irgendwo auf an der Schnellstrasse, die vom Embryo, der in utero mit seiner Mutter koexistiert, zum saugenden und schreienden Baby führt, zum brabbelnden und herumwankenden Dreikäsehoch, bis zum ernst in die Welt blickenden Kind, das alle Grundlagen des Verstandes hat und bereits die grossen Fragen der Menschheit stellt.

lesen Sie mehr

Januar 20, 2010

Meine beste Freundin hat alles, was Frauen sich normalerweise so wünschen. Sie ist attraktiv. Sie hat ein Kind. Und sie ist single, wobei sie sich mit dem Kindesvater das Sorgerecht teilt. Drei Tage die Woche wohnt die Tochter bei ihr, zwei Tage beim Vater, die Wochenenden alternieren. Das lässt meiner Freundin viele Freiheiten. Perfekt, finde ich. Paradiesisch. Aber weil der Vertrag mit der Welt, gemeinhin Leben genannt, vornehmlich aus klein Gedrucktem besteht, hat meine Freundin auch ein Problem.

 

Nicht etwa, weil sie kurzsichtig wäre – denn dafür gibt es Brillen und auch Brillen stehen meiner wirklich bezaubernden Freundin ausgezeichnet – ganz im Gegenteil. Sie sieht fast schon zu klar, was ihre Situation betrifft. Aber lassen Sie mich kurz ausholen.

lesen Sie mehr

Januar 20, 2010

...etwas fürs Auge. Ich bin über dieses Bild von Vanessa Beecroft gestolpert, nachdem ich Alan Moores Essay über Kunst und Pornographie gelesen habe. Ein hervorragender Essay.

 

lesen Sie mehr

Januar 19, 2010

Ein Glück gab es die Neunzigerjahre. Hätte es diese nicht gegeben, wäre ich vielleicht nie mit dem Dogma der Flexibilität in Berührung gekommen. Die Berührung entwickelte sich mit meiner Mutterschaft schnell zu einer Liebesbeziehung, die mir ermöglicht, auf vieles zu verzichten. Zum Beispiel auf Verzicht selbst. Schliesslich kann man auch als Mutter fast alles machen, solange man flexibel genug ist. Letztlich ist alles nur eine Frage der Interpretation.

lesen Sie mehr

Januar 14, 2010

Als ich vergangenen Montag den «Blick am Abend» las, brüllte mich eine Schlagzeile mit Tinnitus-Effekt an: «Sieg der Schwerkraft» hiess ein Artikel, der sich Ladina Blumenthals Brüsten, beziehungsweise ihrer mangelnden Spannkraft beim Auftritt an den Swiss Awards widmete, aufgemacht mit einem Bild der Brust, die vom grünen, weit ausgeschnittenen Kleid auf die Rippen gedrückt wurde. Der Gegenstand der Erörterung war lila eingekreist und zur besseren Beurteilung durch den Leser vergrössert. Frau Blumenthals Hängebusen, so die Journalistin, sei das Gesprächsthema des Abends gewesen.

lesen Sie mehr

Januar 12, 2010

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, so heisst es, denn Geschmack ist eine persönliche und emotionale Frage, an der sachliche Argumente abprallen. Dennoch verliert sich alle Welt in Diskussionen darüber. Bei der Kinderfrage ist es ähnlich. Abhängig von den Variablen persönliche Geschichte, Umfeld, Partner und Zufall sind die Argumente dafür oder dagegen zahllos und meistens gruppieren sich ganze Glaubenssysteme darum. Doch letztlich sind Kinder ein Axiom, eine Setzung.

lesen Sie mehr

Januar 07, 2010

Es geschah auf dem Heimweg von Freunden. Als es Zeit wurde zu gehen, sah die damals zweijährige Tochter das partout anders; zu jung sei der Abend noch, so meinte sie, die Puppen sollten noch ordentlich tanzen. Was auf dem Heimweg im Tram dann tanzte, waren unsere Nerven.

lesen Sie mehr

Januar 05, 2010

Ein paar Gedanken: "Langsam beginne ich zu verstehen", so lautet der Soundtrack zum Wachsen und Reifen. Es gibt viele Momente, in denen ich diese Musik höre. Mein Vater sagte dies zu mir im letzten Frühling seines Lebens, bei einem unserer leider so rar gebliebenen Gesprächen unter Erwachsenen. Die Bäume waren zartgrün und wir ritten zusammen, nicht durch unsere Ländereien zwar, sondern bloss durch den Wald, aber ich fühlte mich trotzdem so, ich fühlte mich wie eine Prinzessin. „Deine Grossmutter“, sagte er mir, „pflegte sich immer so zu freuen, wenn es Frühling wurde. Ich begriff nie, was am Frühling so Besonderes sein soll. Aber langsam beginne ich zu verstehen.“ Und wir ritten zusammen und ich wusste, dass er das Leben genoss, das da vor uns so gewaltig erwachte.

 

Ein neues Jahr hat begonnen und auch ich beginne so langsam Vieles zu verstehen. Das mit dem Frühling habe ich schon lange begriffen. Trotzdem stosse ich auf immer neue Dinge, die ich jetzt plötzlich anders sehe. „Eines Tages werdet ihr verstehen“, sage ich meinen Kindern. Und wenn ich eine Situation als ausweglos oder empörend und ungerecht empfinde, so ahne ich immer öfter, dass ich wohl eines Tages verstehen werde.

Januar 05, 2010

Ich stricke einen Schal. Und denke dabei über Verstrickungen nach. Zum Beispiel die grundsätzlichste aller Verstrickungen, das Leben. Sie ist unabwendbar, da wir es alleine ja nicht schaffen und auf jene angewiesen sind, die uns lieben. Wenn man allerdings selber Kinder hat, zeigt sich diese Verstrickung nochmals von einer andern Seite. Die Kinder sind so eng mit uns verbunden, dass wir sie notwendig in alles hineinreissen, worin wir schwimmen. Auch in unsere Abgründe?

"Dont worry if we fall in Love, we will never touch the ground" heisst es in einem Lied, das ich gerade höre. Dann müssen wir nur noch fliegen lernen.

Januar 04, 2010

Mein Jahr begann mit einem Weckruf. Er erscholl in Form eines jämmerlichen Schluchzens aus dem Kinderzimmer. Dort sass meine Tochter auf dem Bett und fasste sich ans Herz, wo sie ein Stechen verspürt und aus dem Schlaf gerissen hatte. Und weil sie die Geschichte meines Vaters kennt, der auf einer Reise in Indien an einem Herzfehler gestorben ist, glaubte sie sich nun ebenfalls dem Ende nahe.

lesen Sie mehr

Kategorien

Rubriken

Januar 2010
M D M D F S S
« Dez  
  1 2 3
04 05 6 07 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31