August 12, 2010

Eigentlich wollte ich ja ein Plädoyer für die Langeweile schreiben. Eines, das natürlich möglichst gelesen werden, also nicht langweilig sein sollte, aber ich höre Sie schon: Waaaas? Wir sollen uns hier mit Langeweile herumplagen, wo doch Kinder da draussen ihre Eltern verprügeln, wir also wichtige Themen zu besprechen hätten? Ja, meine lieben Leserinnen und Leser, ab und zu ein bisschen Langeweile kann nicht schaden. Sagt jedenfalls mein Mann. Und damit ist nicht der abgeklärte Ennui derer gemeint, die schon alles gesehen, gelesen, gehört haben. Sondern die gute, alte Langeweile – erinnern Sie sich? Wenn man im Kinderzimmer sitzt und nicht so recht weiss, was kommen wird, was gehen soll, wenn die unmittelbare Zukunft sich vor einem erstreckt wie eine Wüste. In der es niemanden gibt, ausser sich selbst. Ein Gefühl, dessen adäquater körperlicher Ausdruck ein tiefer Seufzer ist.

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August 11, 2010

Im Jahr 2005 bekannte die Schriftstellerin Ayelet Waldman in der «New York Times», dass sie keine gute Mutter ist. Dass es Dinge gebe, die sie mehr liebe als ihre vier Kinder. Zum Bespiel ihren Mann, der zwar kein Ding ist, aber der Punkt war klar. In den Leserbriefspalten und in den Niederungen der Blog-Kommentarstränge der Zeitung wurde Waldman beschimpft und mit Hohn und Spott übergossen. «Gute-Mütter-Terror» nennt Waldman diese Hetzjagd auf die sogenannten bösen Mütter, die nicht nur die Boulevardpresse betreibt, sondern auch die ganz normalen Mütter da draussen. Waldman fragte nach den soziopolitischen Grundlagen dieser modernen Fixierung auf mütterliches Versagen, welche enttäuschenderweise nicht vom bösen Patriarchat, sondern zumeist von Frauen und Müttern selbst ausgeht. Und weil sie ähnliche Mechanismen auch an sich selbst schon beobachtet hatte, setzte sie sich hin, dachte darüber nach und sammelte Material für ein ganzes Buch zusammen, das sie treffend mit «Böse Mütter» betitelte und das nun endlich auch auf Deutsch vorliegt.

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August 05, 2010

Blut ist ein ganz besonderer Saft. Und Geld hat eine ganz besondere Kraft. Und wenn beides sich vermischt, also Paare zu Familien werden, ergibt das eine nicht selten explosive Mischung. Das liebe Geld. Schweizer reden nicht gern darüber. Und Paare schon gar nicht. Einer Studie des Berliner Wirtschaftszentrums für Sozialforschung zufolge reden die sogar lieber über ihre geheimsten Wünsche im Bett als über ihre Finanzen. Nun, das ist leicht nachzuvollziehen.

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August 05, 2010

In der Kommunikation mit seinem Sprössling kann es vorkommen, dass man plötzlich von einem Wurmloch angegähnt wird, sich also mit einer jener überraschenden und unwahrscheinlichen Passagen in der Raum-/Zeitkrümmung konfrontiert wähnt. Vielleicht finden Sie das etwas seltsam, erlebt haben Sie es bestimmt schon. Ich meine zum Beispiel Folgendes: Einst erwischte ich meinen damals ungefähr vierjährigen Sohn dabei, wie er hingebungsvoll an der Salzmühle herumleckte. Ich hielt ihn an, das bitte nicht zu tun, und während er verständig nickte, wandte ich mich wieder den auf dem Herd dampfenden Töpfen zu. Als ich mich das nächste Mal umdrehte, schwebte die Salzmühle wieder vor seinem Gesicht herum, allerdings nur eine klitzekleine Sekunde lang. Dann verschwand sie samt seiner Hand hinter seinem Rücken.

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August 04, 2010

Der Satz ist geschichtsträchtig: «Ich habe abgetrieben» – das bekannten 1971 mehrere Hundert Frauen im deutschen «Stern». Damals war das Bekenntnis politisch, denn Abtreibung war in Deutschland illegal. Mit ihrer Aussage brachen die Frauen ein Tabu und riskierten ihre Reputation. Der «Stern»-Artikel löste denn auch einen Sturm der Empörung aus – vor allem aber kickte er die neue Frauenbewegung an, auf welcher die Frauen dann in eine gleichberechtigtere Zukunft brausten. So weit, so gut.

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August 03, 2010

Erziehung in fünf Lektionen? Das tönt, zugegeben, etwas ambitioniert. Es tönt wie: perfekt Latein in fünf Lektionen. Ich weiss nicht, wie viele hundert Lektionen Latein ich in meiner Jugend durchleiden musste, trotzdem habe ich dieses System nie richtig verstanden. Aber mir geht es ja auch um etwas anderes. Ich habe mich gefragt: Welches sind die entscheidenden Lektionen, die man im Leben lernt und also auch seinen Kindern vermitteln möchte? Jene, denen man immer und immer wieder begegnete, die zu Beginn vielleicht ungeniessbar schmeckten, um ihr Bouquet mit zunehmender Reife zu entfalten, so dass man sie jetzt genüsslich den eigenen Kindern kredenzt? Nun, nach einiger Überlegung habe ich mich für die folgenden entschieden:

 

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August 02, 2010

Gestern berichtete mir mein Chef von einem Beurteilungsgespräch in der Kinderkrippe. Solche Gespräche, sagte er, wirkten in ihrer aufdringlich positiven Tendenz auf ihn wie ein organisiertes Wohlfühlprogramm für Eltern. Als Krippen-Unerfahrene – die Betreuung unserer Kinder organisierten wir in den frühen Jahren privat – war mir gar nicht bekannt, dass bereits in Krippen Beurteilungsgespräche geführt werden.

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