Januar 20, 2010
Ein paar Gedanken: "Langsam beginne ich zu verstehen", so lautet der Soundtrack zum Wachsen und Reifen. Es gibt viele Momente, in denen ich diese Musik höre. Mein Vater sagte dies zu mir im letzten Frühling seines Lebens, bei einem unserer leider so rar gebliebenen Gesprächen unter Erwachsenen. Die Bäume waren zartgrün und wir ritten zusammen, nicht durch unsere Ländereien zwar, sondern bloss durch den Wald, aber ich fühlte mich trotzdem so, ich fühlte mich wie eine Prinzessin. „Deine Grossmutter“, sagte er mir, „pflegte sich immer so zu freuen, wenn es Frühling wurde. Ich begriff nie, was am Frühling so Besonderes sein soll. Aber langsam beginne ich zu verstehen.“ Und wir ritten zusammen und ich wusste, dass er das Leben genoss, das da vor uns so gewaltig erwachte.
Ein neues Jahr hat begonnen und auch ich beginne so langsam Vieles zu verstehen. Das mit dem Frühling habe ich schon lange begriffen. Trotzdem stosse ich auf immer neue Dinge, die ich jetzt plötzlich anders sehe. „Eines Tages werdet ihr verstehen“, sage ich meinen Kindern. Und wenn ich eine Situation als ausweglos oder empörend und ungerecht empfinde, so ahne ich immer öfter, dass ich wohl eines Tages verstehen werde.
Ich stricke einen Schal. Und denke dabei über Verstrickungen nach. Zum Beispiel die grundsätzlichste aller Verstrickungen, das Leben. Sie ist unabwendbar, da wir es alleine ja nicht schaffen und auf jene angewiesen sind, die uns lieben. Wenn man allerdings selber Kinder hat, zeigt sich diese Verstrickung nochmals von einer andern Seite. Die Kinder sind so eng mit uns verbunden, dass wir sie notwendig in alles hineinreissen, worin wir schwimmen. Auch in unsere Abgründe?
"Dont worry if we fall in Love, we will never touch the ground" heisst es in einem Lied, das ich gerade höre. Dann müssen wir nur noch fliegen lernen.
