Das erste Problem, das man mit dem zweiten Kind hat, ist der richtige Zeitpunkt. Oder besser, der überhaupt irgendwie mögliche Zeitpunkt. Denn die Frage nach dem zweiten Kind steht oft genau dann an, wenn der grösste Stress mit dem ersten Baby endlich in ein etwas ruhigeres Fahrwasser mündet, die Schattierung der Augenringe sich von schwarz zu zartem Blau aufhellt und sich plötzlich wieder die ferne Erinnerung einstellt, dass man einst ein Leben jenseits von Windeln, Babybrei und nächtlichem Geschrei hatte. Diejenigen Eltern, die sich dann doch dafür entscheiden, sehen sich neun Monate später nicht nur mit den wohlbekannten Problemen, sondern auch einem neuen, ziemlich komplexen familiären Drama konfrontiert.
Mir ging es nämlich, wie den meisten Eltern. Bis ich mein zweites Kind zu nächtlicher Stunde zu Hause aus meinem Bauch presste, beschäftigte mich die Frage, ob es möglich sein würde, ein weiteres Kind genau so unbedingt zu lieben, wie das erste und suchte Zuflucht bei der Vorstellung, dass es beim zweiten Kind auch nicht anders sein würde, als beim ersten. Ich lag falsch. Wie falsch, eröffnete sich mir, als ich meinen neu geborenen Sohn dabei beobachtete, wie er gegen jede Wahrscheinlichkeit und mit erstaunlicher Kraft meinen Bauch zu den Brüsten hoch robbte, wo er sein erstes Frühstück einzunehmen gedachte. Das war ganz anders, als beim ersten Baby. Und es war auch ein ganz anderes Baby, was mich ziemlich erstaunte.[mehr]
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